04 Februar 2012

cosmoproletarian solidarity

Das Verhängnis der kapitalisierten Gattung


Eine Flugschrift aus gegebenem Anlass

„Wir werden es nicht zulassen, dass wie früher nur gewisse kleine Kreise den Profit der Arbeit anderer haben“, versprach Robert Ley, Organisator der NS-faschistischen Deutschen Arbeitsfront, im Jahr 1935 den Volksgenossen. Dass die Arbeit einen Sinn hat, wo sie doch nur die unmittelbarste Verwertungsagentur des Kapitals ist, dass sie einen „ethischen und seelischen Wert“ erhält, wo sie doch ein Zwang ist, dass aus ihr „ein Ideal“ entsprießt, eine „Ehre der Arbeit“ und aus dieser „eine gemeinsame Auffassung von Volk und Nation“, und dass dies alles gegen das „gewisse“ parasitäre ein Prozent erwehrt wird, blieb nicht nur ein feuchter Traum eines faschistischen Karrieristen wie Robert Ley: es eskalierte in der Vernichtung durch Arbeit.

Der Wahn endete nicht mit dem 8. Mai 1945 und der Zwangspazifisierung der Deutschen. Dass er bis heute Staats- und Volksauftrag der postnazistischen Charaktermasken des Kapitals ist, verrät sich auch in der jüngsten Krise. So ist auch die deutsche Variante der „Occupy Wall Street“-Bewegung nur ein weiterer Ausdruck des deutschen Arbeitswahns. Und so falsch liegen die hiesigen „99 %“ nicht, wenn sie sich als die 99 Prozent der Deutschen brüsten. Um nur zwei der Namhafteren unter den letzteren zu nennen: Die Produktivbestie Hans-Ulrich Jörges, die bei anderer Gelegenheit das Kalkül des Staates, die mit ihm identifizierten Überschüssigen nicht dem Hunger zu überlassen, eine „wahre Honigroute zum Kommunismus“ nannte, ruft nun auf, der „Realwirtschaft (zer-)störenden Spekulation muss das Kreuz gebrochen werden“. Und Johannes Singhammer, ein Mann aus der Politik, stimuliert das nationale Gedächtnis. Zu erinnern sei, wie nach dem 8. Mai 1945 die Deutschen sich von „tiefster Zerstörung und menschlicher Erniedrigung“ befreiten: mit „ehrlicher Arbeit“. Ein knochenbrechender Malthusianismus, nach dem nur wer arbeitet ein Existenzrecht habe, und die Mystifikation einer Schicksalsgemeinschaft der nationalen Arbeit – auch das sind die 99 Prozent.

Was den Deutschen eine Mission ist – und im Worst Case ein Mandat zum Pogrom: die produktive oder eben „ehrliche“ Arbeit, ist dem materialistischen Kritiker Marx nur „ein Pech“, unmittelbares Verwertungsmittel des Kapitals, gewesen (MEW 23, S. 532). Die Spaltung der kapitalen Totalität in Produktions- und Zirkulationssphäre aber ist die Basisideologie der kapitalisierten Gattung – nicht nur des germanisierten Teils –; sie ist die ideologische Reproduktion des Kapitalverhältnisses im Medium seines ureigenen Fetischismus.

Das Geld ist den Individuen der materielle Repräsentant einer Abstraktion, die sie Tag für Tag bewältigen ohne ein Bewusstsein von ihr zu haben. Dass die sinnlich so verschiedenen Dinge des Lebens einen Wert haben, dass die Dinge unter den einheitlichen Charakter der Ware gezwungen sind, ist ihnen zur zweiten Natur geworden. Der einzelne Mensch als „Eigentümer bloßer Arbeitskraft“ (MEW 23, S. 892) ist gezwungen, die Arbeitskraft gegenüber seiner Individualität zu objektivieren und sie als die ihm einzig eigene Ware zu vermarkten.

Im Tausch wird vom konkreten Gebrauchswert der Produkte abstrahiert, indem man die Waren als Werte identisch setzt, das heißt: sie werden gegen Geld, das die Äquivalentform zu allen anderen Waren annehmt, getauscht. So wird aber von der Eigenheit der einzelnen Arbeitstätigkeit abgesehen: „Sie wissen es nicht, aber sie tun es“, heißt es bei Marx von den Exemplaren der kapitalisierten Gattung, die im Tausch von der konkreten Arbeit abstrahieren, indem sie die Produkte ihrer Anstrengung als Waren, also Werte gleichsetzen (MEW 23, S. 88). Wie die Waren als Werte qualitativ gleich sind, so sind es auch die verschiedenen konkreten Arbeiten, die in der Warenproduktion angewandt werden: als abstrakte gesellschaftliche Arbeit. Im Tausch gilt die vernutzte Arbeitkraft, also verstorbene Arbeit nun mehr als ein bestimmtes Quantum Wert produzierender Gesamtarbeit.

Der Wert existiert nur durch das soziale Verhältnis der Menschen zueinander, das aber nur das Selbstverhältnis des Kapitals ist, weil die Selbstverwertung des Werts mit der Selbsterhaltung der in die Subjektform gebannten Individuen (1) identisch zu sein scheint. Er existiert nur in den Denkformen, die den Direktiven seiner Verwertung gehorchen und so sich objektivieren. So wird er real ohne konkret zu werden: er ist eine Realabstraktion. Und real ist das Abstrakte des Kapitalverhältnisses nur darin, dass es den Menschen zum stummen Zwang wird, dass es sie zu existieren, zu überleben erst befähigt: Wer nicht arbeitet, der frisst auch nicht.

Der kapitalisierten Gattung ist die bewusstlos getätigte Realabstraktion des selbstzweckhaften und den Fetischismus beseelenden Arbeitens die Bedingung ihrer Existenz: der Tribut an den stummen Zwang. In der (nicht nur deutschen) Ideologie wird dieser Zwang als „ehrliche“ Arbeit vor sich selbst verschleiert.

Das Geld, womit die Produktivbestien sich konfrontiert fühlen, ist nur die „unmittelbare Existenzform“ der abstrakten Arbeit (MEW 13, S. 42). Doch die kapitalisierte Gattung verliert davon jede Spur: Die „vermittelnde Bewegung“, in der die Ware Geld die Äquivalentform zu allen anderen Waren annehmt und so erst zu Geld und alsdann zu dem Gott unter den Waren wird, verschwindet „in ihrem eigenen Resultat“; es reflektiert sich den Warenhüter nun mehr als „die Magie des Geldes“ (MEW 23, S. 107). Geld und Kapital sind zwar nichts anderes als akkumulierte Waren in abstrakter Form, doch in diesen Formen spuken die Produkte vernutzter, also verstorbener Arbeitskraft als vollends eigenlebige, „automatische Subjekte“ (ebd., S. 169).

Die nicht-bewusste Form der Abstraktion, die die Warenhüter tätigen, wird ihnen erst in der Geldform in verkehrter und verkehrender, also fetischistischer Form bewusst. „Das Geld ist das real Abstrakte zum Anfassen, es enthält als einzige Bestimmung alle anderen Waren, nur keinen ihrer Gebrauchswerte.“ (2) Das Kapital in seiner mystifiziertesten Form: „der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld“, trägt schließlich „keine Narben“ seiner Genese mehr (MEW 25, S. 405); viel mehr: es ist als hätte es sich von seiner eigenen Genese vollends emanzipiert. Nichts erinnert die Warenhüter noch daran, dass es die produktive Arbeit ist, die die Substanz der gespenstischen Existenz des Werts ist. Die rätselhafte Metamorphose von Geld in mehr Geld schwebt über den Warenhütern als „eine prozessierende, sich selbst bewegende Substanz“ (MEW 23., S. 169), wo sie doch in Wahrheit das Resultat kapitalproduktiver Arbeit ist. Die dinglichen Objekte, also Ware, Geld und Kapital, transformieren zu übermächtigen Subjekten und die in die Subjektform gebannten Individuen zu ohnmächtigen Objekten. Diese Verkehrung wird von den Menschen Tag für Tag authentifiziert: „indem es das Kapital ist, was da in ihnen denkt, hat es sich selbst reproduziert.“ (3)

Nicht nur, dass die „99 %“ den Fetischismus des Kapitalverhältnisses reproduzieren, indem sie dieses ideologisch spalten, um in der Zirkulationssphäre die Dämonen der Krise zu exorzieren; nicht nur, dass sie sich über das Unglück in der Produktion ausschweigen und an den politischen Souverän appellieren, das Geld müsse regionalisiert oder vom Zins befreit werden, damit es die Produktion als unser Schicksal nicht sabotiere; nicht nur also, dass ihnen das falsche Ganze das einzig Richtige ist, das nur von der Magie des Geldes oder doch nur von den Charaktermasken des fiktiven Kapitals zu befreien sei – nein, ihr ganzes Spektakel ist doch darauf herunterzubrechen, dass sie sich der Dämlichkeit hingeben, ein Charakterdefekt wie „Gier“ sei der Systemfehler. Die Camper – eine deutsche Comedyserie zur Krise.

Die kapitalisierte Gattung, nicht nur die „99 %“, ist beherrscht vom Äquivalenzprinzip und wo sie aufbegehrt, tut sie es in seinem Namen. Und wo man sich noch fragt, was sie auch anderes tun könne in einem Verhältnis, in dem nur noch zu hoffen ist, einen „gerechten Preis“ gezahlt zu bekommen, eskaliert ihre Wut im Verschwörungsdenken. Nicht nur, dass die „99 %“ blind sind für die antisemitische und wie derzeit in Tschechien und Ungarn antiziganistische Mobilisierung im Namen der „ehrlichen“ Arbeit, inszenieren sie sich als Avantgarde der realen 99 Prozent, als, zum Teil mit dem NS-Jargon versierte, Stichwortgeber. Kritik von Herrschaft heißt aber mit dem Konsens der kapitalisierten Gattung zu brechen – und dies vor allem auch im Interesse einer revolutionären Aufhebung der Getrenntheit. Und es ist die kapitalproduktive Arbeit – also die Kollektivehre der Deutschen, Ungaren, etc. –, die die Geldform und die weiteren verrückten Formen der Verwertung des Werts lostritt.

(Wahrlich sind die Vertracktheiten und theologischen Mucken des Kapitalverhältnisses mit seiner okkulten Qualität dann doch besser im Marxschen Original nachzulesen.)

Das Kapital, soviel wissen wir nun, muss sich unentwegt verwerten, das ist der zentrale Herrschaftsimperativ dieses totalitären Verhältnisses. Doch die Verwertung des Werts stößt dabei auf strukturelle Schranken. Die Einzelkapitalien sind zur Produktivitätssteigerung und somit zur technischen Rationalisierung des Vernutzungsprozesses von lebendiger Arbeitskraft gezwungen, um in der Konkurrenz nicht zu verlieren. Doch eben jene technische Rationalisierung spuckt noch mehr Massen an Arbeitskräften aus, die nun nicht mehr zur kapitalproduktiven Funktionalisierung eingesaugt, sondern verüberflüssigt werden. Die Mikroelektronik sowie die Informations- und Telekommunikationstechnologien revolutionierten die Produktivkräfte, scheiterten aber als Basistechnologien eines neuen Arbeitskraft einsaugenden Akkumulationsregimes – und so viele iPhones können von chinesischen Kulis nicht zusammengeschraubt werden, um darüber hinwegzutäuschen. Das Kapital, gezwungen sich zu verwerten, flüchtet in Spekulation und Kredit, also ins fiktive Kapital, in dem eine ‚ewige’ Akkumulation des Kapitals stimuliert wird – bis eben die spekulativen Blasen zu platzen beginnen.

(Ohne Zweifel ist dies schlecht verkürzt, lest es doch bitte woanders nach.)

Die tätige Unvernunft ist doch, dass die Revolutionierung der Produktivkräfte es ermöglicht, die Arbeit für alle Menschen auf ein Minimum zu reduzieren, aber sie doch nur Massen an unwertem Material auf Halde entlädt, also dem Hunger aushändigt. Nicht nur, dass kaum einer es wagt, ein Leben ohne Arbeit und Zwang zu denken, viel mehr trauert man im Kollektiv der 99 Prozent der fordistischen Produktionsdespotie nach, diesem „wissenschaftlichen System zur Schweißauspressung“ (Lenin), das nicht zufällig nach einem Autor antisemitischer Pamphlete benannt wurde. Und nicht nur, dass die halbe Gattung verüberflüssigt ist, gebietet Arbeit auch dort, wo keine kapitalproduktive Funktion einzunehmen ist, herrisch über die Menschen: als Hunger oder eben als zwangsverordnete Arbeit, die, ohne die Möglichkeit kapitalproduktiv zu sein, sich ungeniert als Selbstzweck entblößt.

An dem schlanken Faschismus des ungarischen Krisenregimes erfährt man, wo es endet, wenn ein „Pfad der Arbeit“ wider die Spekulation eingeschlagen wird: Der „Ungarische Arbeitsplan“ droht vor allen anderen den vom ersten Arbeitsmarkt rassistisch ausgegrenzten und als „parasitär“ denunzierten Roma mit Zwangsarbeit und Kasernierung. Viktor Orbán, ungarischer Ministerpräsident, konkretisiert: Nicht mittels „den Technologien des 21. Jahrhunderts“, sondern „mit der Hand“ werden die von Staats wegen verordneten Arbeiten zu erledigen sein. Und so wird auch noch die Möglichkeit der technischen Revolution, aufreibende Arbeit zu erleichtern, kassiert, um an den Überschüssigen zu demonstrieren: Arbeit ist unser Schicksal und die Menschen nur eine Funktion

„Erbitte Gottes Segen für deine Arbeit - aber erwarte nicht, dass er sie auch noch tut“. In diesen Worten eines ausgedienten deutschen Politikers und Autoren moralisierender Bedienungsanleitungen für das variable Kapital (mit Titeln wie „Ehrliche Arbeit…“) verrät sich das ganze Verhängnis der kapitalisierten Gattung: Vor dem unbarmherzigsten Gott unter den Göttern, das Kapital mit seinem Propheten: dem Geld, verbeugen wir uns seine Strafe fürchtend und zugleich auf seinen Segen hoffend: die ‚geglückte’ Verwertung. Unser Opfer ist die Arbeit, Glück ohne Opfer dagegen ist uns nur zu verdächtigt, denn unser Schicksal ist die Herrschaft in Produktion.

(1) „Unter der Form des Subjekts tastet sich das Individuum beständig darauf ab, ob seine Stofflichkeit der Funktionalisierung genügt. Es beargwöhnt sich als ungenügend und mangelhaft. Sein Selbstbewußtsein ist Selbstmisstrauen, sein Selbstgefühl das der ‚Minderwertigkeit’ und Überflüssigkeit im Angesicht des Werts. Diese Angst zuzulassen, das hieße, dem Nichts sich zu konfrontieren, der totalen Entwertung.“ Joachim Bruhn: Was ist deutsch. Zur kritischen Theorie der Nation, ça ira Verlag 1994, S. 149.
(2) Gerhard Scheit: Quälbarer Leib. Kritik der Gesellschaft nach Adorno, ça ira Verlag 2011, S. 44.
(3) Joachim Bruhn: Karl Marx und der Materialismus, in: Bahamas 33/2000.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 04 Februar 2012 , 05:51:20

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Kritik des Antiimperialismus


Mit ihrer jüngsten Verbrüderungsgeste an die despotischen Regime Irans und Syriens (1) appellieren deutsche Antiimperialisten an ihren Souverän, weiter das zu tun, was das Wesentliche deutsch-iranischer Kumpanei seit 1984 (spätestens 1992) ist: die Sabotierung eines konsequenten Sanktionsregimes gegen die khomeinistische Despotie. Nein – sie sind keine Pressure Group der deutschen Exportindustrie. Sie glauben ihre eigenen Lügen.

Souverän seien das „iranische und syrische Volk“, so der Appell. Bei wöchentlich dutzenden gefolterten und ermordeten Menschen in Syrien davon zu fabeln, das Volk sei souverän, verrät den Souveränitätsfetischismus nur noch als Kälte: als organisierten Solidaritätsverrat an den konkreten Individuen. Nicht nur, dass Souveränität nichts anderes heißt, als fähig zu sein, Menschen national zu formieren, sie auf Gehorsam bis in den Tod zu verpflichten und die Drohung, diesem Menschenmaterial Gewalt anzutun, im nächsten Moment zu realisieren. Der antiimperialistische Jargon von den Völkern affirmiert die Kasernierung der Individuen zu eben jenen Völkern. Er suggeriert, dass die zu Völkern subsumierten Individuen eines bis in den Tod gemeinsam haben, das im Souverän authentisch zu sich findet: die Autochthonität, die kapitalproduktive Mission oder beides wie bei den Deutschen. Wer von Völkern und nicht von den unglücklichen Individuen spricht, weiht die nationale Formierung: den „Triumph der repressiven Egalität“, das „Unrecht durch die Gleichen“ (2).

Nicht nur, dass dieser Antiimperialismus aus dem Fetischismus von Staat, Nation und Souveränität resultiert. Er reproduziert geopolitisch die ideologische Aufspaltung der kapitalen Totalität in konkret und abstrakt, in unschuldige Produktion und verdächtigte Zirkulation. Dass die fetischistische Spaltung des Kapitalverhältnisses unmittelbar aus den theologischen Mucken der Warenform resultiert, ist woanders nachzulesen (bei Interesse auch auf diesem Blog). Nur soviel: die Sozietät, deren Insassen wir sind, ist die der Ware und synthetisiert sich durch das Transzendentalsubjekt Wert. Der Wert aber ist eine „objektive Gedankenform“ (MEW 23, S.90), er camoufliert sich den Insassen der dem Kapital entsprungenen Sozietät als Natur, doch ruht seine gespenstische Existenz in dem wesentlichsten Verhältnis, das die Menschen einzugehen gezwungen sind: dem Tausch. DieTranssubstantiation der Dinge des Lebens zu Waren, die den zu Warenhütern gebannten Individuen sich doppelt reflektieren: konkreter Gebrauchswert und abstrakter Wert, der im Geld wieder konkretisiert wird, beseelt fetischistisch die Denkformen der Insassen dieser verrückten Sozietät. Es ist das Verhängnis der kapitalisierten Gattung, die kapitale Totalität ideologisch zu spalten und nicht revolutionär zu liquidieren, d.h. das Abstrakte zu konkretisieren und des weiteren zu personifizieren. Die fatalste Konsequenz dieses Konkretisierungswahns ist der Antisemitismus, der auf die bösen Gerüchte des religiösen Antijudaismus rekurriert: die antijudaistischen Figuren des Brunnenvergifters und Ritualmörders wandeln sich zu den antisemitischen Figuren des Parasiten im Wirtsvolk und Magiers der Zirkulationssphäre. Die durch religiöse Verfolgung erzwungene Mobilität der Juden, als Wurzellosigkeit denunziert, wird mit der „Magie des Geldes“ ((MEW 23, S. 107) identifiziert; die kapitalproduktive Ausbeutung in der Produktion dagegen als höhere Gewalt und Mission zugleich naturalisiert: die Fabrik als Nest der Autochthonen. Der Kronjurist der Deutschen, Carl Schmitt, charakterisierte den Juden als „ein Metöke“, der das konkrete, weil in Boden, Staat und Kirche verwurzelte Recht suspendiere und nur in einer „Gespensterwelt“ von Abstraktionen und Juristereien parasitär überleben könne (3). Konkret sei immer das Deutsche, abstrakt und künstlich das Jüdische.

Antiimperialismus als nationale Ideologie

Im Antiimperialismus wird die Gewalt des Souveräns getrennt in eine, die das fetischistische Bewusstsein als künstliche wahrnehmt, d.h. als imperialistische und in eine authentische, d.h. in die autochthone Tyrannei über die Eigenen, die im antiimperialistischen Jargon als nationale Souveränität etikettiert wird. Wer nun ein authentischer Souverän sei und wer nicht, darüber sind sich Antiimperialisten zumeist einig. Das schlagende Argument ist der Hass auf die USA und vor allem – dazu später – auf Israel. Wo der Antiimperialismus zur Staatsdoktrin wurde, wie in der Deutschen Demokratischen Republik, verriet sich der Hass auf Amerika offen als nationales Ressentiment: die Identifikation der abstrakten Zirkulationssphäre und der Sabotage der konkreten Produktion mit dem „Gift des Kosmopolitismus“. Das „vaterlandslose Finanzkapital“, die antinationalen „Finanzhyänen“ und „Dollarkönige“, die „Verderber des deutschen Volkes“ mit ihrer „Afterkultur“ versus der „echten, wahren Volksgemeinschaft“ aller „wahrhaft national denkenden Deutschen“ (4). Wenige Jahre nach den Euthanasiemorden des deutschen Faschismus rief die „Sozialistische Einheitspartei“ „alle gesunden (!) Kräfte der deutschen Nation“ zur „Befreiung der Nation aus den Klauen des Dollarimperialismus“ auf (5) – wo materialistische Kritik doch im Interesse der Entnazifizierung von einem Volk von Deutschmarkbestien zu sprechen gehabt hätte.

Wilhelm Langthaler, Agitator der Wiener „Antiimperialisten Koordination“ (AIK), und Werner Pirker, Autor der „jungen Welt“ (jW), aktualisieren diesen Hass, indem sie jenes zivilisatorische Moment Amerikas denunzieren, in dem trotz allem existierenden Rassismus die Hoffnung auf die Versöhnung der Gattung Mensch aufblickt: In ihrem 2003er Pamphlet „Ami go home“ nennen sie das US-amerikanische nation building durch Immigration einen Verrat der Flüchtigen an der verlassenen Heimat (6). Ihnen ist das Versprechen der Statue of Liberty an die „geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren“ (Emma Lazarus), nicht viel zu oft eine böse Lüge – denkt man an die systematische Asylverweigerung antisemitisch Verfolgter –, sondern das Stimulans eines antinationalen Egoismus. Zu einer solchen Verhöhnung jener Menschen, die vom Unglück getrieben sind, ist nur fähig, wer mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker die Gattung Mensch nach Autochthonen und Allochthonen sortiert und es in Blut und Boden verwurzelt sieht. Die US-amerikanische Staatsnation ist nicht autochthon, also kein authentisches Volk – hierin liegt der von Pirker und Langthaler denunzierte Makel.

Nicht zufällig, dass Pirker in seinen jW-Kommentaren die Palästinenser als „autochthone“ und „angestammte Bevölkerung“ etikettiert. Die Palästinenser sind ihm nur das funktionalisierbare Gegen-Volk zur Anti-Nation. In Pirkers Charakterisierungen des jüdischen Staates Israel reproduziert er fast alle antisemitischen Sterotypen: „Der Staat Israel, die Palästinenser können das aus leidvoller Erfahrung bestätigen, ist ein reales Gebilde. Und dennoch ist die Künstlichkeit seiner Existenz evident. Er ist ein Staat aus der Retorte.“ (jW, 24.04.02). Wo nicht auf Autochthonität, also auf Blut und Boden rekurriert werden könne, greife die zionistische Ideologie, so die verschrobene Pirkersche Staatskritik, die den Mangel an Naturhaftigkeit denunziert und somit die Fetischisierung von Herrschaftsverhältnissen reproduziert. Dass Israel „weniger aus sich selbst“ entkeimte, als viel mehr kraft eines militanten Überlebenswillens von zuvor kosmopolitisch verstreut lebenden Juden sich behaupten konnte, provoziert Pirker, der für den Staat als naturwüchsiges Gehäuse der Autochthonen agitiert. Indem Pirker definiert, was Israel ist – „ein Nationalstaat ohne Nation“, denn den Juden fehle „eine spezifisch jüdische Identität“, um eine Nation zu sein (ebd.) –, definiert er den wahren Staat: als souveräne Inkarnation nationaler Identitäten. Der Antizionismus Pirkers verrät sich so als Naturalisierung eines Gewaltverhältnisses. Denn nicht Folklore konstituiert eine Nation. Es ist die Identifizierung der Menschen als Objekte durch eine sich zentralisierende und zur Staatswerdung verschwörende Gewalt, die die Menschen einhegt und national formiert. Nationale Identität ist nicht positiv zu definieren, sondern nur als Zwang, der den Menschen angetan wird. Als ein solcher Zwang ist das Phantasma einer authentischen „nationalen Identität“ in einem revolutionären Schmelztiegel im Interesse der Menschwerdung der Deutschen und anderer Völker zu liquidieren.

Die Ideologie des authentischen Staates mittels Antizionismus reproduziert die jW nur zu oft: Israel sei eine „Apartheid-Architektur“ und ein „Staat ohne Nation“ (15.06.10) und so weiter. Bei anderer Gelegenheit denunziert die jW die Bemühungen des israelischen Staates, die antiisraelische Hetze zu entschärfen, als „Sabotage als Programm“ (24.02.10) und nennt die israelische Politik ein „Netzwerk der Manipulatoren“ (09.12.09). Der jüdische Unstaat erscheint in der jW als dauernde Verhöhnung von authentischer Herrschaft: sabotierend, manipulierend, die naturhaften Grenzen spottend. (Der internationale Antiimperialismus kam bereits zur äußersten Konsequenz seiner fetischistischen Spaltung der kapitalen Totalität: zu einem offenen Antisemitismus. Dem US-Amerikaner James Petras zufolge, der im deutschen Zambon-Verlag publiziert, müsse Israel ohne „Holocaustrentiers“ sich „produktiven Tätigkeiten“ widmen. Israel kastriere und demütige die US-Amerikaner, so Petras, und schädige US-amerikanisches Interesse. Auch in der jW wird gelegentlich suggeriert, die US-amerikanische Politik sei unter israelischem Diktat: „Zufrieden kann Tel Aviv dagegen mit (…) George W. Bush sein.“ (jW, 25.11.08))

Nicht eine Kritik der Gewalt intendiert der Antiimperialismus, anders würde er sich nicht mit der Kaserne Volk solidarisieren, sondern mit den empirischen Individuen, denen, etwa in Syrien, weder zuzumuten ist unter ba`thistischer Despotie noch unter den Muslimbrüdern, die in der Opposition vorherrschen, zu leben. Die Funktion der USA als militantes Auge des Wertgesetzes, d.h. als grenzüberschreitender Souverän, ist ihnen nur die Gelegenheit einer Rationalisierung ihrer Ideologieproduktion. Keiner ihrer toten Helden – Josef Stalin, Mao Zedong, Enver Hoxha, Gamal Abdel Nasser … - dachte an das einzig Vernünftige: mit einer Sozietät, die von den konkreten Individuen absieht, um sie als Exemplare der kapitalisierten Gattung zu konstituieren, die alsdann aus dem Blut und Boden einer Nation erwachen, Schluss zu machen, also Ware, Geld, Kapital und – nicht zu vergessen – Staat, Nation und Volk revolutionär zu liquidieren. Noch viel mehr: ihre Regime nachholender Akkumulation unter der Regie einer absolutistischen Partei reproduzierte das Unglück der kapitalisierten Gattung.

Eben jene US-amerikanische Einnahme der Funktion des militanten Souveräns hätte doch bei Interesse über die Fatalität des Kapitals – eben des ganzen, nicht nur das der „Finanzhyänen“ und „Dollarkönige“ – aufklären können. Nach der „Great Depression“ 1929 war die US-amerikanische Industrieproduktion auf die Hälfte zusammengeschrumpft, die Arbeitslosigkeit war dagegen von 1,5 auf 13 Millionen angestiegen. Weder stimulierte der keynesianische „New Deal“ die Kapitalakkumulation noch versprach der Antisemitismus – trotz eines virulenten Hasses auf jüdische Immigranten, die kommunistischer Subversion verdächtigt wurden – die überschüssigen Massen für Krieg und Raub zu mobilisieren. Während der deutsche Faschismus die nazifizierten Massen für die „Arbeitsschlacht“ mobilisierte und die „Motorisierung“ (Hitler) der Volksgemeinschaft als Hebel für die organisierte Krisenabwälzung auf die anderen Nationen forcierte, lagen noch 1939 in den USA fast ein Fünftel der Arbeitskräfte und über ein Viertel der Produktionskapazitäten brach. Erst der Krieg, den die Deutschen und Japaner den isolationistischen USA aufzwangen, bewältigte die Krise. Der antifaschistische Konter auf die militante Volksgemeinschaft der Deutschen bedurfte einer eigenen Kriegsmaschinerie, die zugleich die Krise kapitaler Akkumulation auskurierte, die Produktivkräfte revolutionierte und die Pax Americana sponserte. Nach dem 8. Mai 1945 war eine Re-Transformation der aufgeblähten Kriegsproduktion in eine zivile Warenproduktion nicht möglich ohne eine neue Krise zu riskieren. Militärische und zivile Produktion waren miteinander verknotet, der militärisch-industrielle Komplex wurde zum Garanten der Akkumulation des nationalen Kapitals. Auch im Interesse anderer fungierten die USA nun als militanter Souverän und trieben in Korea und Vietnam, in Nicaragua und El Salvador mit Napalm und Konterguerilla das kommunistische Gespenst aus.

Eine antimilitaristische Kritik dessen wäre nur möglich gewesen wider die projektive Entlastung, als die der deutsche Antiimperialismus fungierte. Verdrängt, dass es die Deutschen als Volksgemeinschaft waren, die das Vernichtungspotenzial des Kapitalsverhältnisses ausgereizt haben und deren antisemitische und raubkriegerische Exorzierung der kapitalen Krise 60 Millionen Menschenleben vernichtete. Die Deutschen, gestern noch Mörder und Arisierungsprofiteure, wurden nun, wie der militante Arm des deutschen Antiimperialismus, die RAF, 1976 schrieb, zur „autochthonen Bevölkerung“, kolonialisiert durch die „Reeducation-Kampagne“, des alliierten Versuchs der Entnazifizierung (7). „Unser Volk war die bereitwilligste Manövriermasse für die Kulturmonopolisten (…)“, so Diether Dehm, der hiermit seine Volkslieder für den „nationalen Aufbruch“ bewarb (8). Wäre es nur so gewesen – mehr Blue Notes weniger Musikstadl.

Die Agitation „gegen das Unterpflügen kultureller Traditionen“ (9), wo Kultur nur Idiotie ist, die sich zwanglos angetan wird, verrät näheres über das Subjekt einer solchen nationalen Erwachung: „Als formelles Subjekt“ ist das Individuum „nicht Herr seiner Identität, denn es hat keine Substanz. Seine Substanz als materielles Subjekt dagegen – die Arbeitskraft – ist variables Kapital (…) Es kann seine Stabilität, wenn auch prekär, überhaupt nur sichern, wenn es sich doppelt abgrenzt, wenn es sich distanziert von den Untermenschen und von den Übermenschen, wenn es rassistisch und antisemitisch fühlt, denkt und agiert.“ (10) Oder aber – möglicherweise als Konzession an eine halbe Reeducation – wenn es sich seine Identität einverleibt, indem es sich eine „andere“ deutsche Kultur halluziniert, für die neben Marx auch „Goethe, Heine und Brecht“ einvernahmt werden.

Die Charakterisierung der Unvernunft in der Welt als „Imperialismus“ suggeriert eben jene Welt als gallisches Dorf, terrorisiert von fremden Mächten, die die nationale Souveränität – also die Herrschaft von Nationalisten über Nationalisten – sabotieren. Verschleiert bleibt so die Totalität des Kapitals. Denn alle haben an ihr teil: das Chávez-Regime, das seine Sozialpolitik mit Rohölexporten in die USA finanziert, und so weiter. Und warum echauffieren sich Antiimperialisten über das Sanktionsregime gegen den Iran und Syrien, wenn diese nicht an dem Ganzen teilhätten, von ihm leben würden … Waren die antiimperialistischen Frontregime, der ba`thistische Irak und der khomeinistische Iran, nicht die willigen Akteure eines „grandiosen Petro-Dollar-Recycling“, die in diesem mörderischen Krieg das kriechende Staatsmaterial formten … (Zu fragen wäre nun, ob die derzeitige US-amerikanische Iran-Politik nicht ein ähnliches blutiges Szenario als Konsequenz haben könnte: einen blutigen Krieg zwischen dem Iran und seinen arabischen Feinden. So kaufte die Sharia Inc. Saudi-Arabien zuletzt 84 F-15 von Boeing im Wert von 30 Milliarden Dollar und auch die VAE und Kuwait ziehen bei der Hochrüstung mit.)

Der Imperialismus, materialistisch bestimmt, war jener mörderische Prozess der „ursprünglichen Akkumulation“ des Kapitals (MEW 23, S. 741- 791), der mit der Trennung der unmittelbaren Produzenten von den Produktionsmitteln und der Erbeutung von Gold, Silber, Arbeitskräften usw. allen voran durch die europäischen Mächte begann und mit der Einverleibung des letzten blinden Fleckens in die kapitale Totalität abschloss. Das universale Kapitalverhältnis basiert auf nichts als Gewalt, doch begegnet es den Insassen seiner Sozietät als ein stummer Zwang, der ihnen zur zweiten Natur und den liberalen Ideologieproduzenten zurinvisible hand wird. Die Zerschlagung der Subsistenzproduktion – flankiert von El Nino, Dürren und Seuchen – resultierte zwischen 1876 und 1879 sowie zwischen 1896 und 1900 allein in Äthiopien, Indien, China und Brasilien im Hungertod von bis 60 Millionen Menschen. Sie starben, wie Mike Davis kriminalistisch nachspürt, in jenem Prozess, der sie in die Totalität des Kapitals integrierte. Nicht nur, dass die europäische Ideologieproduktion vom Hunger auf den Rassencharakter der Hungernden, als Vehikel von geringerer Produktivität, schloss. In jenen gottverlassenen Winkeln der ursprünglichen Akkumulation inspirierte diese einzige Katastrophe einen wahngeschwängerten Messianismus und apokalyptische Reiter: die chinesische Sekte Weißer Lotos, die Kommunarden um den katholischen Laienprediger Conselheiro im brasilianischen Canudos, der islamische Mahdismus im Sudan und auf Java ... Es sollten noch viel mehr werden.

Die Solidarität mit den Schwachen gegen die Starken ist eine seltene Sentimentalität des Antiimperialismus. Wo er sich konkret positioniert, tut er es im Namen krisenexorzierender Regime: etwa für den ba`thistischen Irak bis zu seinem Ende 2003 (jW, 19.3.03: „Saddam muss bleiben“) oder die khomeinistische Despotie im Iran. Dass der Irak im Beutekrieg gegen Kuwait sich kurieren wollte und seine lebendige Staatsmasse brutalst homogenisierte und Irak wie Iran tausende Genossen ermordeten und, mit deutscher Inspiration, die Krisen antisemitisch exorzierten, qualifiziert sie erst zu authentischen Adressaten antiimperialistischer Verbrüderung: in ihnen lebt sich die antiimperialistische Pseudomilitanz aus, die kritisches Denken vollends sublimiert hat. Saddam Hussein, dieser irakische Bismarck und von Deutschen befähigte Nervengiftmörder, war, wie die Wiener AIK am 30. Juni 2006 rühmte, „nicht nur ein Partisan, sondern ein Staatsmann“. Eine kleine Partei von Genossen aus dem Irak, die die Komplizenschaft mit islamistischen Halsabschneidern und ba`thistischen Killern zu kritisieren wagte,wurde von Wilhelm Langthaler in dem antiimperialistischen Fanzine Intifada (11/04) denunziert, dass sie „was ihre politische Tradition und Kultur betrifft, durch und durch persisch ist“, das heißt sie huldige den „Säkularismus der persischen Intelligenz“, sei also fern des autochthonen Volkes.

Als im Juni und den Folgemonaten des Jahres 2009 Massen an Menschen den regressiven Antiimperialismus der Islamischen Republik Iran und ihrer Apologeten zu blamieren drohten, sorgte sich die jW inniger als je zuvor um die Reputation einer Staatlichkeit, deren Praxis der Tugendterrorismus ist und für deren Heilsideologie – „The World without Zionism“ – die antisemitische Internationale sich begeistert. Die revoltierenden Massen von bis zu drei Millionen Menschen allein in Teheran denunzierte Werner Pirker unbeirrt als „asoziale Revolution“ und konstatierte beleidigt „die konterrevolutionäre Revanche an der Islamischen Revolution als Emanzipationsprozeß der Volksklassen“, denn „mit dem Führer der Habenichtse“, dem Schwulenmörder Ahmadinejad, würde vermutlich „auch die antiimperialistische Komponente aus der iranischen Revolution verschwinden.“ (jW, 20.06.09)

Die antiimperialistische „Solidarität mit den Völkern“ zielt auf Kumpanei mit Despotien, die Verbrüderung ist nicht an die Schwachen adressiert sondern an die Schlächter. Sie verschleiert das einzige Vernünftige – die Revolution für eine freie Assoziation freier Menschen – im Interesse der nationalen Frage um die Beute.

Auf seinem eigenen Terrain der Geopolitik ist der Antiimperialismus nur noch der trügerisch linke Flügel deutscher Ideologie. Nach Jürgen Gansel, Vordenker der „Nationaldemokratischen Partei“, habe der Islam in Europa „keine Existenzberechtung“, doch „unantastbar ist er dort, wo er historisch beheimatet ist“. Gegen Israel, dem Staat gewordenen „Völkerhaß“, und die Vereinigten Staaten von Amerika, diesem kosmopolitischen Bastard, gelte den Muslimen die „Solidarität von Nationalisten“. Und so verkörpere die Hamas den „palästinensischen Selbstbehauptungswillen“ und so seien die irakischen Suicide Bomber „Heimatverteidiger“. Folglich träumt auch die „Deutsche Stimme“ von einem „arabischen nationalen Sozialismus“ (DS, 02.05.2011), einer Achse der Souveränisten gegen die jüdische Anti-Nation. Es sind dieselben Kategorien des Antiimperialismus, in denen Rassismus und Antisemitismus von diesem Schlag sich geopolitisch reproduzieren: Autochthonität, Volk, Nation, Souveränität, Staat, Antizionismus, Anti-Nation.

(1) Appell: Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens, in: „junge Welt“, 05.01.2012. Unterzeichnet u.a. von Diether Dehm, Norman Paech und Rainer Rupp. (2) Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, FfM1988, S. 18. (3) Raphael Gross: Carl Schmitt und die Juden, FfM 2000, S. 60 ff. (4) Thomas Haury: Antisemitismus von links, Hamburg 2002, S. 350 ff. (5) Ebd., S. 367. (6) Siehe „Konkret“, 2/2004, S. 27-28. (7) Z.n. Michael Hahn: Nichts gegen Amerika, Hamburg 2003, S. 40. (8) Ebd., S.42. (9) Dehm im Gespräch mit der Jungle World 4/01. (10) Joachim Bruhn: Was deutsch ist. Zur Kritik der Nation, Fbg. 1994, S. 149.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 04 Februar 2012 , 05:46:30

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Keine Frau, keinen Mann, keinen Rial für Khomeini und Krieg


Die Islamische Republik Iran müsse „in die Knie gezwungen werden“, drohte jüngst der deutsche Minister des Auswärtigen und schwor seine europäischen Amtskollegen auf ein totales Embargo ein. Nur mit scharfen Sanktionen spüre der Iran, dass „die Luft dünner wird“. Wahrlich sind die Worte so nie gesprochen worden, denn nicht auf die völlige Isolierung des Feindstaates Iran sondern auf das im nationalistischen Wahn sich atomisierende „Völkergefängnis“ Jugoslawien drängte Klaus Kinkel im Jahr 1992.

Übrigens war es Kinkel, der in den frühen 1990ern den „kritischen Dialog“ mit dem khomeinistischen Regime des Irans als eine gewiefte Taktik erschuf, unter widrigen Umständen Kumpane zu werden. Andere mächtige Kumpane aus Washington, London und Riad protestierten in jenen Tagen zunehmend gegen die deutsche Annäherung an den Iran. Doch die düstere Kulisse deutsch-iranischer Kumpanei gab folgendes ab: Nachdem am 6. August 1992 der nach Bonn exilierte Sänger und Regimekritiker Fereydoun Farokhzad ermordet wurde, wurde am 17. September 1992 in dem Berliner Restaurant „Mykonos“ über vier iranische Exilanten der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran, einer mit der „Sozialistischen Internationalen“ assoziierten Partei, gerichtet. Nachdem also das khomeinistische Regime im Jahr 1988 seine Gefängnisse von politischen Dissidenten gesäubert hatte – bis zu 12.000 Abtrünnige und „Heuchler“ wurden in jenen Tagen hingerichtet -, operierte der berüchtigte VEVAK, in dem Spionage, Repression und staatsterroristische Aktionen zu einem Ministerium gebündelt sind, nun blutig auf deutschem Staatsterritorium.

In der deutschen Regierung war man zunächst bemüht, die Handschrift des khomeinistischen Regimes an den Meuchelmorden zu verwischen. Im Oktober 1993, nur ein Jahr nach den Morden in Berlin, wurde der Mykonos-Verschwörer Ali Fallahijan, der den VEVAK führte, in das Bonner Kanzleramt sowie zu dem Kölner Verfassungsschutz und dem Pullacher BND eingeladen. Fallahijan hoffte auf Informationen über politische Flüchtlinge. Dass die Informationen ihm auch ausgehändigt wurden, bestritten die deutschen Amtskollegen, die wenige Monate zuvor nach Teheran gereist waren. Gesichert ist aber, dass in jenen Jahren, also lange vor Siemens-Nokia, deutsche Waren mit den Gebrauchswerten Repression und Tod in den Iran geliefert wurden (1). Im März 1996 gab der BGH dann einen Haftbefehl zu Ali Fallahijan heraus. In der Zwischenzeit starben bei einem antisemitischen Massaker unter der Regie Fallahijans, dem AMIA bombing, 85 Menschen in Buenos Aires.

Möge nun die koreanische oder chinesische Konkurrenz einen größeren Teil der iranischen Industrie, die zu zwei Dritteln auf deutschen Maschinen und Anlagen basiert (2), ersetzen, die Vereine und Verbände der deutschen Exportindustrie mühen sich noch um jede einzelne Schraube. Den Sanktionen ist es geschuldet, dass sie dies unter ständig wechselnden Namen tun. Kam es in der ersten Jahreshälfte 2009 noch dem traditionswürdigen, am 24. Mai 1934 von Siemens, I.G. Farben und Co. initiierten NuMO-Verein zu, das „tiefe Vertrauen“ des Irans in die deutsche Produktion zu festigen (3), wurde es alsbald still um den Verein mit dem Ehrenvorsitzenden Gerhard Schröder und ein anderer übernahm die Beratungen zu Inspektion und Zertifizierung von Exporten, Kredit- und Investitionsgarantien und ähnlichem. Zurzeit ist es eine Seilschaft aus dem Dunstkreis deutscher Mittelstandsverbände, die sich der Angelegenheit widmet.

Nicht, dass dies ein Skandal wäre. Es ist die bürgerliche Geschäftsordnung, in der der Gebrauchswert einer Ware, wie die Anti-Panzer-Rakete „MILAN 3“ der paneuropäischen Unternehmung MBDA, mit einem „verbesserten Tötungspotenzial“ beworben wird. Oder aber wie Bayer den Insektenkiller „Baygon“ 1996 in Guatemala: „Der plötzliche Tod ist eine deutsche Spezialität“. Reklame lügt nicht immer. Und doch ist es eine besondere Perfidität: den „ehrlichen Makler“ zu imitieren und Solidarität mit Israel als Staatsräson zu beschwören, aber nur dann sein Interesse im Iran zu stutzen, wenn das Risiko sich erhöht, woanders Einbüßen hinzunehmen. So fungierte die deutsche Bundesbank noch zu Beginn des Jahres als Vermittlerin existenzieller Geschäfte des khomeinistischen Regimes bis am 4. April dem Protest aus Washington nachgegeben wurde. Und so zögerte man bis zum 23. Mai die Sanktionierung der berüchtigten iranischen Staatsbank EIH hinaus, die bis dahin seelenruhig von Hamburg aus operierte.

Doch die deutsch-iranische Kumpanei ist nicht nur auf schnödes Interesse herunterzubrechen. Und so erstaunt es nicht, dass der akademische Flügel des NuMO-Vereins, das Deutsche Orient-Institut, über 30 Jahre von einem antisemitischen Kulturalisten geführt wurde: „Sheikh“ Steinbach.

Gerhard Schröder rügte bei seiner Stippvisite Teherans im Februar 2009 den Prügeljungen Mahmud Ahmadinejad, es gebe „keinen Sinn“ die Shoah zu leugnen – um dann mit seinem Freund Mohammad Khatami anheimelnd sich einzufinden, der eben mit Diskretion, also nur vor dem eigenen Mob, Israel eine „nicht heilbare Wunde im Körper des Islam“ nennt. Was den deutschen Freunden des „kritischen Dialogs“ jene „unnötigen Diskussionen“ (Schröder) sind, die an dem humanitären Antlitz der Kumpanei kratzen, ist dem khomeinistischen Regime Heilsideologie und Herrschaftskitt zugleich. Unter der Parole „Marg bar Esraiil“, „Tod Israel“, formiert sich das lebende Herrschaftsmaterial. Und umso prekärer die nationale Formierung – erinnert sei an den antifaschistischen Konter mutiger Iraner am al-Quds-Tag 2009 auf die Regimeparole „Tod Israel“ –, desto drohender werden die Worte Khomeinis, die er 1980 in Qom predigte: „Ich sage, lasst den Iran in Rauch aufgehen, wenn nur der Islam auf der übrigen Welt triumphiert“ (4). Dass der Khomeinismus nur durch die Vernichtung Israels triumphieren wird, daran lassen weder die Freitagspredigen des Klerus noch die mit der Parole „Israel muss ausgerottet werden“ beschrifteten „Shahab 3“-Raketen keinen Zweifel. Nicht abwegig die These, dass die iranische A-Bombe nicht auf Israel zielt, sondern auf einen kalten Krieg mit der sunnitischen Regionalkonkurrenz, also Saudi-Arabien und die Türkei. Auch möglich, dass das Regime einen andauernden Konflikt niedriger Intensität mit Israel, ausgetragen von seinen lokalen Filialen, vorzieht. Doch für Israel – wie für die Menschen im Iran, denen mit der A-Bombe die Geiselhaft droht – ist das Risiko eines nuklearen Irans nicht zu kalkulieren.

Herangewachsen ist die junge Bevölkerung Irans in dem achtjährigen Krieg mit dem ba`thistischen Irak. Der Krieg, der mit einer Aggression Iraks am 22. September 1980 begann und später vom Iran bis zum 20. August 1988 blutig verschleppt wurde, forderte bis zu 900.000 Tote. Beide Kriegsparteien verschlungen Unmengen an Kriegsmaterial, das von den Märkten, ohne Engpässe, in die Kriegsgräben nachgestopft wurde. Hans Brandscheidt spricht von einem „grandiosen Petro-Dollar-Recycling“ (5). Die Kriegsparteien kauften Kriegsgerät gegen Dollars, um diese zu realisieren, überschwemmten sie mit ihrem Rohöl die Märkte. Das Geld blieb also im bayrischen Ottobrunn, im steirischen Liezen und wo noch für den Krieg produziert wurde, während an der Front das Eingekaufte vernichtet wurde. Zugleich wurde so die Dominanz eines der beiden Regime über die Golfregion torpediert.

Berüchtigt die US-amerikanische Iran-Contra-Affäre, in der ein regierungsamtliches Racket unter anderem HAWK-Systeme in den Iran schmuggelte, mit dem Fremdzweck der Finanzierung von antikommunistischen Todesschwadronen in Nicaragua. Deutsche Kriegsprofiteure dagegen trumpften im Irak mit einer nationalen Spezialität auf: dem plötzlichen Tod. Südlich von Samarra begann man zu Beginn der 1980er in einer 160 Quadratkilometergroßen Sperrzone Pestizide zum „Schutz der Dattelernte“ zu produzieren. Beteiligt war, neben einem deutschen Klassiker wie die Preussag AG, der Nationaldemokrat Anton Eyerle, der nicht nur mobile toxikologische Labors lieferte, sondern in Saddam Hussein auch einen würdigen Erben Adolf Hitlers ersah. Für den Einkauf der brisanten Waren wurde am 17. April 1984 die Tarnfirma W.E.T. in Hamburg initiiert, in der mindestens ein Mann des BND involviert war (6). Die Datteln wurden sogleich an der Front geerntet. Bereits in den Jahren 1980 bis 1984 kam es zu circa 130 chemischen Attacken auf den Iran. Während der letzten Zuckungen des Krieges, am 16. und 17. März 1988, vergaste das ba`thistische Regime tausende Menschen in Halabja. Noch heute sterben dort Menschen einen qualvollen Tod oder leiden unter schwersten Nervenlähmungen und Fehlgeburten – Reklame lügt also doch.

Im März 1982 bekam die Wenzl Hruby KG aus Hamburg – über Vermittlung des BND – den Auftrag zugeschanzt, Iraker in Terrorismus-Bekämpfung zu befähigen und gemäß auszurüsten. Ein GSG-9-Veteran übernahm die physische Zurichtung der Truppe. Brisant war vor allem, dass die Iraker auch in dem Hantieren mit Kampfgasen instruiert wurden. Präsident des BND, der die deutsch-irakische Liaison arrangierte, war der erste Protagonist des späteren „kritischen Dialogs“ mit dem Iran: Klaus Kinkel (7). Die Kulisse der deutsch-iranischen Kumpanei war also auch für das khomeinistische Regime nur zu düster: Die deutschen Todeskrämer des Feindes wurden nun zu Komplizen.

Keine Frau, keinen Mann, keinen Rial für Khomeini und Krieg

Das khomeinistische Regime zwangrekrutierte während seines Krieges mit dem Irak die jüngsten und ärmsten unter den Armen. Tausende von Jungen wurden so ihren Familien abgepresst und zu Märtyrerkommandos formiert. „Der Spiegel“ (02.08.1982) erzählte vom Schicksal eines jungen Halbwaisen namens Hossein. In seinem Heimatdorf wurde jede Familie gezwungen, ein Kind an die Kamikazekommandos abzutreten. Hossein, der unter Kinderlähmung litt, war am leichtesten zu entbehren. Er überlebte den suizidalen Sturm auf die sich eingegrabene irakische Artillerie, gelangte also nicht in das ersehnte Paradies, sondern wurde Beute des irakischen Feindes. Heute vegetieren in den Kriegsinvalidendörfern Irans die Menschen dahin, nur gelegentlich gebraucht für die Aufmärsche des Regimes. Die Menschen im Iran haben bei einem Regime change also nichts zu verlieren außer Almosen, Milizklüfte, Märtyrertode und den einen oder anderen deutschen Freund – doch bei einem Krieg ist ihr Leben bedroht. So präzise die Bombardierungen iranischer Anlagen auch sein mögen, das Risiko einer weitflächigen atomaren Kontaminierung ist kaum zu kalkulieren. Krieg ist der brutalste Ausdruck der Unvernunft in dieser Welt. Doch nicht Israel, sondern die Islamische Republik Iran und ihre Komplizen treiben zum Krieg. Ein solcher ist nur zu sabotieren, indem die Möglichkeit des Irans, atomare Sprengköpfe auf den Shahab-3-Missiles zu konfektionieren, sabotiert wird.

(1) Zur Fallahijan-Affäre: u.a. FAZ, 13.10.1993; Der Spiegel, 25.10 u. 01.11 1993.
(2) So Michael Tockuss, ehemaliger Präsident der AHK Iran, in: Focus, 13.02.2006.
(3) Von einem „tiefen Vertrauen” in die Deutschen und ihre Produkte sprach der Botschafter des Irans, Ali Reza Attar, auf Einladung des NuMOV am 29. Mai 2009 in Berlin, siehe die NuMOV-Publikation WiFo, Juli/August 2009.
(4) Khomeini, in: „A Selection of the Imam’s Speeches, Teheran 1981, S. 109
(5) Brandscheidt, in: Saddam Husseins letztes Gefecht? (Hg. Osten-Sacken/Fatah), konkret texte 33, Hamburg 2002, S. 219.
(6) Ebd., S. 222-223; sowie hier.
(7) Ebd., S. 225-226; sowie hier.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 04 Februar 2012 , 05:41:09

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„Ich, nur ein Staubkorn … “

„Ich, nur ein Staubkorn des Vaterlandes“, so die Direktive der Islamischen Republik Iran an das überflüssige Leben. Die khomeinistische Despotie hat sich mittels der kontrarevolutionären Mobilisierung der Überflüssigen, die Basij-e Mostaz'afin, als Souverän des Irans konstituiert. Die durch brutalen Mangel in die Städte Getriebenen, die in einer nicht weniger brutalen Konkurrenz um die Funktionalisierung als kapitalproduktives Material ihren Unwert erfuhren, wurden die Rekrutierungsbasen des Khomeinismus. Gegen die Kälte der kapitalistischen Moderne rekurrierte er auf die eingebrannte Bande des Schollenzwanges: Brosamen und heilige Verse („Marg bar Esraiil“) gegen Loyalität dem Klerus. Zunächst als Straßenkommandos in der antimonarchistischen Revolution und gegen die wahren Revolutionäre, wie die Frauen des 8. März 1979, und dann im Krieg gegen den ba`thistischen Irak als atmendes und alsdann kriechendes und stöhnendes Kriegsmaterial: die Austreibung ihrer Überflüssigkeit durch den khomeinistischen Souverän im Iran war (und ist) die Verhüllung der Gedemütigten und Verächtlichten in Milizklüften und Chadors und letztendlich in Leichentüchern.

Der deutsche Beitrag hierzu ist es: jenen Menschen, die der khomeinistischen Krisenexorzierung sich verweigern und flüchten, ihre Überflüssigkeit vor dem Kapital wieder einzuhämmern. Man kaserniert sie ein, dass sie nur keine Freude haben an der Befreiung vom unmittelbaren Zwang khomeinistischer Despotie und sich wieder aus freiem Willen verflüchtigen. Mohammad Rahsepar, 29jähriger Flüchtling aus dem Iran, war einer von ihnen. Er nahm sich in der Nacht zum 29. Januar 2012 das Leben in einer Flüchtlingsbaracke, die früher Adolf-Hitler-Kaserne hieß.

Proteste von Freunden: hier.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 04 Februar 2012 , 05:35:57

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Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy


“Put on trial the artists' models who posed nude for art schools until the early 70s, hide the art books and destroy the nude statues of antiquity, then undress and stand before a mirror and burn your bodies that you despise to forever rid yourselves of your sexual hangups before you direct your humiliation and chauvinism and dare to try to deny me my freedom of expression.”

Mit diesen Worten beschriftete Aliaa Magda Elmahdy aus Ägypten eine Fotografie ihres nackten Leibes, geziert nur mit roten Ballerinas und einer roten Haarschleife, auf ihrem Blog. Nicht, dass ihre Sinnlichkeit auch nur einen einzigen Häscher des Militärregimes bei dem Töten und Foltern irritiert; nicht, dass sie auch nur eine einzige Salve an Reizgasgranaten abwehrt. Doch in Tagen, an denen die Kämpfe zwischen Kaserne und Straße nur noch mehr Tote fordern, verspricht sie, der Hoffungslosigkeit trotzend, Versöhnung und provoziert in diesem falschen Ganzen doch vor allem Hass. Die Versöhnung, die sie verheißt, ist nicht erpresst im falschen Kollektiv, denn für dieses ist die Fotografie, zu der Aliaa sich gewagt hat, nur zu bedrohlich und so distanzierte sich auch die umrühmte „Bewegung des 6. Aprils“ von ihr. Die Kunst von Aliaa ist eine vereinzelte Revolte gegen den Tugendterrorismus, den die Herrschenden und nur zu oft die Beherrschten teilen, also gegen die erlebte Suspendierung des Individuums durch Kaserne und Straße.

“(…) I am not shy of being a woman in a society where women are nothing but sex objects harassed on a daily basis by men who know nothing about sex or the importance of a woman. The photo is an expression of my being and I see the human body as the best artistic representation of that.” (1)

In Ägypten ist spätestens seit dem Ende des nasseristischen Modernisierungsregimes ein Islam mit protestantischer Innerlichkeit aber militantem Antlitz erwacht: Religiosität verriet sich mehr und mehr als eine „Knechtschaft aus Überzeugung“ (Marx). Die Revoltierenden gegen die Despotie des Mubarak-Clans waren in der Masse nicht dazu gewillt, dem Tugendwahn ein Ende zu machen. Bereits in den ersten Tagen des „revolutionären“ Ägyptens verriet sich, dass der Zwang, der hinter dem unmittelbaren Zwang der Despotie herrscht, die Demontage des Mubarak-Clans überdauert – als wäre nichts geschehen. Nicht nur, dass die revoltierenden Massen nur zu still blieben, als am 8. März einige hundert Frauen, die für die Gleichberechtigung von Frau und Mann demonstrierten, attackiert wurden. Auch Aliaa wurde auf dem Kairoer Tahrir Square, diesem Symbol (wahrlich imaginärer) ägyptischer Volkssouveränität, für eine Geste der Zärtlichkeit: die Umarmung ihres Freundes, wiederholt Gewalt angedroht.

“I like being different. I love life, art, photography and expressing my thoughts through writing more than anything.”

In ihrem trotzigen Beharren auf Individualität und individuelle (eben nicht kollektive) Differenz findet Aliaa solidarisch zu anderen. Die Liebe ihres Lebens, Kareem Amer, erfuhr die Repression, die Ägypten beherrscht, nur zu brutal. Zuvor bereits wegen religionskritischem Blogging kriminalisiert und von der sunnitischen al-Azhar-Universität exmatrikuliert, nachdem er aussprach, dass sie gegen jeden ist, der frei denkt, verschwand Kareem in einem der dunkelsten Kerker des Gefängnisses Ägypten. Denn er wurde für schuldig befunden, den Islam sowie den Präsidenten Hosni Mubarak beleidigt zu haben. Vier Jahre seines noch jungen Lebens wurden dafür kassiert. Doch nicht nur der Repressionsapparat des Regimes und die religiösen Autoritäten der al-Azhar verschwuren sich gegen Kareem; viel mehr: sein eigener Vater forderte den Tod des Apostaten.

Seit dem Mai 2011 engagiert sich Aliaa in den Protesten gegen die Herrschaft der Militärs, deren Klassenjustiz seit dem 11. Februar des Jahres über circa 12.000 Menschen gerichtet hat. Einer von ihnen ist Maikel Nabil Sanad, Antimilitarist und Freund einer ägyptisch-israelischen Versöhnung. Aliaa begann nun, für Maikel, der die Armee beleidigt habe, sich zu engagieren.

Und nicht nur Hass schlägt Aliaa entgegen. So kursieren vor allem von iranischen aber auch von israelischen und ägyptischen Kritikern des Tugendterrorismus zurzeit dutzende Solidaritätsadressen an Aliaa (2).

So – sehr viel mehr weiß ich über Aliaa und ihre Freunde nicht. Ob sie zu einer Kritik einer politischen Ökonomie vordringt, in der das Ausbleiben des Gröbsten: dass keiner mehr hungern soll, als Schicksal der meisten Menschen sich zu verewigen droht. Und zu der Kritik der nationalen Neurose: der antisemitischen Projektion, zu der die tugendterroristische Triebunterdrückung und Triebabfuhr dauernd eskalieren – ich weiß es nicht. Doch mit ihrem sinnlichen Protest gegen die psychosozialen Agenturen der Herrschaft, zuerst gegen den religiösen Tugendterrorismus, erinnert sie, dass Revolution nur zu denken ist als Kampf um eine „emanzipierte Gesellschaft“, in der „man ohne Angst verschieden sein kann“ (3).

Apropos Solidarität: So eben las ich von 20 Flüchtlingen, die den Häschern des syrischen Regimes entflohen waren und nun in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze aufgetrieben wurden. Sie werden alsbald, vorerst nach Polen, abgeschoben. Das ist – neben dem Export von Repressionstechnologien und der Kumpaneibereitschaft gegenüber den Muslimbrüdern – der deutsche Anteil an den arabischen Revolten.

(1) Folgende Zitate sind aus einem Gespräch Aliaas mit CNN.

(2) Siehe etwa Firoozeh Bazrafkan, den Karikaturisten Ezel oder die Israelin Or Tepler.
(3) Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, in: GS Bd. 4., Frankfurt a.M. 2003, S. 114.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 04 Februar 2012 , 05:35:05

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03 Februar 2012

nichtidentisches

Nichtidentisches

Die Inszenierung präsentiert Iggy Pop in einem einteiligen, edlen Kleid. Seine gekonnten Posen ahmen den dynamischen Tanz einer Frau nach, die sich aus irgendeinem, von der Archetypen-Psychologie der Werbeagenturen erdachten Grund stets in Bewegung befinden muss. Das Zitat: „I’m not ashamed to dress ‘like a woman’ because I don’t think it’s shameful to be a woman.“

Adorno hat seinen tiefen Skeptizismus gegenüber der Verherrlichung des weiblichen Charakters wie kaum ein anderes Thema für die „Minima Moralia“ reserviert. Sein emanzipatorischer, Nietzsche aufhebender Befund gipfelt in dem Satz: ‎“Die Glorifizierung des weiblichen Charakters schließt die Demütigung aller ein, die ihn tragen.“ Exaltierte Männlichkeit, das „tough baby„-Syndrom, ist ihm so suspekt wie die damit kommunizierende Weiblichkeit.

Iggy Pop subvertiert dieses dialektische Verhältnis nicht, er invertiert. Im Westen ist die Abkehr von der klassischen Misogynie heute billig zu haben und gerade ihr avantgardistisches Auftreten lässt sie verspätet, naiv und altbacken wirken. Die normative Botschaft des Pop-Künstlers liegt vielmehr in der Propaganda für die Kleidung der Frau, die artifizielle, überelastische Haltung ihres Körpers und letztlich für ihre Unterwerfung. Die kunstfasergehärtete Seidenrüstung wird mit der Existenz, der biologischen Geschlechtlichkeit assoziiert als wäre sie von Natur entstanden.

Die Angleichung der Männer an die Frauenbilder, die sie selbst sich einst in Angst vor der Aggression der Frau zurichteten, zeugt davon, was sie mit sich selbst vorhaben. Es ist zum geringeren Teil Beweis für die Befreiung von Homophobie, der Pazifismus befreit auch nicht von Gewalt. Vielmehr spricht hier die fortschreitende, auch die Männer erfassende Unterwerfung. Die ist nicht mehr durch Vaterfiguren verkörpert, denen man in Kraft und Intellekt mindestens gleich werden kann und muss, sondern durch ein übermächtiges, anonymes, namenloses Prinzip, vor dem nur Inversion und Vermeidung ratsam sind. Ausbrüche gewährt dann allein die fortschreitende Apotheose des aufgeblähten Heros, der überkontrollierte, unverwundbaren Mann, wie ihn auch der von Drogen und Exzessen gestählte Iggy Pop, vor allem aber James Bond und der Dark Knight (1, 2) repräsentieren – anders als die Proletarier Jackie Chan oder John Rambo riskieren sie nichts, reagieren nicht, haben nicht nur bloß unfassbares Glück: Die sterilisierten bourgeoisen Action-Helden sind keine Menschen sondern Götter, die dumm ihrem Schicksal in einer durchgeplanten Folge von wahnsinnigen, unmöglichen Aktionen folgen und dabei gewiss keine Geldsorgen haben. Das Gegengift zum Heros, die zu solidarischen Bindungen auch jenseits des sexuellen Interesses fähige Assoziation von verwundbaren Individuen bleibt mit gutem Grund selten in der Filmlandschaft – am Ende läuft heute noch fast jeder erfolgreiche Film auf den eisenharten Kerl heraus, der seine Kleinfamilie rettet während tausende andere sterben. Wenn es einen Fortschritt in der Bildersprache Hollywoods gegeben hat, dann nicht den Umschlag dieser Figuren in den verweiblichten Mann, der noch immer auf tolerierte homosexuelle oder pubertäre Rollen sich zurückziehen muss und in der Konkurrenz um Frauen allenfalls gegen den prügelnden Blödian Erfolg hat. Die Emanzipation der Frau muss die Emanzipation der Frauen sein. Die Gönnerei jener Männer, die aus der einst zwanghaften Travestie einen gesellschaftlich honorierten Faschingsball machen, verspricht ihnen keine Freiheiten sondern schreibt ihren Status fest. Die Aktivität der Frauen als körperlicher und intellektueller Widerstand gegen die gesellschaftlichen Zumutungen ist allemal wünschenswerter als der Regress der Männer auf die anal strukturierte Manipulation, die passive Aggressivität, die der euphemistisch zur Schönheit geschundenen körperlichen Schwäche zum Habitus wird.

Nicht zufällig ist das konforme Accessoire Iggy Pops die Handtasche, jenes Lacan’sche Schächtelchen, in dem männlicherseits wunder was Geheimnisse und Waffen vermutet werden, in dem sich aber zumeist nichts befindet, was wert gewesen wäre, es vom Körper abzuspalten und dann dennoch bei sich zu tragen. In dieser Handtasche wie auch im Ausgezehrten der doch sehr vogue gewordenen hohlwangigen anorektischen Männermodels, artikulieren sich sado-masochistische Wartestände auf Ruinen einstiger Wünsche. Androgynität ist erlaubt, solange sie dieses Zeichen der Schwäche und Entsagung von Lust, die Magerkeit, trägt. Ungleich verpöhnter als die modischen metrosexuellen Männer sind Frauen, die sich Bodybuilding jenseits von sanktionierten Ästhetisierungen erlauben. Androgynität, die als vereinzelte in das Zelebrieren von Schwäche mündet, das durch Beherrschbarkeit des eigenen schwächlichen Beutekörpers lockt, ist keine Fortschrittliche. Unter der gesellschaftlichen Kastrationsdrohung ist sie Regression hinter das ödipale Stadium. Vom Widerstand abgelöste Geschlechtlichkeit wirbt nur Ästhetisierungen ein. Wünschenswert wäre ein Zustand, der der Stärke nicht mehr bedürfte und körperliche wie intellektuelle Schwäche erlaubte. In der gewaltförmigen bürgerlichen Gesellschaft bedeutet dieselbe Projektion eine Idealisierung, ein Ausweichen vor dem Konflikt. Der richtet sich gegen die Subjekte selbst, die aus der freien Wahl ihrer Kleider schon ihre eigene Freiheit, und insbesondere jene zur Wahl der Wahl selbst, ableiten wollen.

„Die Gegensätze des starken Mannes und des folgsamen Jünglings verflieβen in einer Ordnung, die das männliche Prinzip der Herrschaft rein durchsetzt. Indem es alle ohne Ausnahme, auch die vermeintlichen Subjekte, zu seinen Objekten macht, schlägt es in die totale Passivität, virtuell ins Weibliche um.“ (Adorno, Minima Moralia, „Tough Baby“)

Vielleicht hat Iggy Pops Zitat aber auch recht. Scham empfindet das Opfer für das, was ihm angetan wird, weil die Trennung zu jenem misslingt, was man sich antun lässt. Wenn Iggy Pop mit dem Spott auf diese weibliche Scham über das, was aus der Frau gemacht wurde, kokettierte und diese Frauen als Ziel der Kritik einer ungleich feinsinnigeren Travestie hätte, so wäre er weitaus fortschrittlicher als er von den Fans des Bildes verstanden wird und sehr wahrscheinlich doch werden will.

Fragment Ende.


Einsortiert unter:Kulturindustrie und Industriekultur, Misogynie

by Felix Riedel at 03 Februar 2012 , 11:25:03

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02 Februar 2012

reiten, lesen, ...

Jetzt gibt die bürgerliche Presse schon der Kälte die Schuld an den erfrorenen Obdachlosen!

„Kältewelle lässt Obdachlosenunterkünfte aus allen Nähten platzen!“ konnte man gestern der Dauerpropaganda-Bestrahlung der U-Bahn entnehmen. Wie muss man sich das wohl vorstellen? Hat ein Herr Kältewelle den Brief mit dem Räumungsbescheid abgeschickt und ihn dann zusammen mit der Firma Tiefdruckgebiet durchgesetzt? Hat die Kältewelle eine Wirtschaft eingerichtet und die Leute aufs Zurechtkommen in ihr festgelegt, in der viele eben das – aufgrund von Leistungsdruck, fehlenden Jobs, Armut – nicht mehr können und deswegen „Aussteiger“ werden bzw. dazu gemacht werden? Hat die Kältewelle die Leute kaputtgemacht, ihnen die Kontos geleert, so dass sie sich nun als Junkies und Bettler als absoluter Bodensatz einer der reichsten Gesellschaften des Erdballs herumtreiben und reihenweise erfrieren, wenn die kältesten Tage des Jahres kommen?
Davon, dass die bürgerliche Presse von all den realen Gründen für den persönlichen und finanziellen Ruin der Leute, die in der Art, wie hierzulande gewirtschaftet wird, nichts wissen will, zeugt eine selten dämliche Überschrift, die genau am Endpunkt der Entwicklung ansetzt und diesen als nicht zu hinterfragend natürlich darstellt. Fallende Temperaturen kann man eben nicht kritisieren.

by Wendy at 02 Februar 2012 , 13:53:13

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torsun

Ach so, Frau Steinbach:

Da ist die gute Frau bei ihrer halluzinierten Vertreibung wohl mehrfach mit dem Köpfchen am Schlagbaum hängen geblieben.

by kapsler hauser at 02 Februar 2012 , 09:56:58

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cosmoproletarian solidarity

In Trauer um Mohammad Rahsepar


In der Nacht zum 29. Januar 2012 nahm sich Mohammad Rahsepar, ein Flüchtling aus dem Iran, in einer Würzburger Flüchtlingsbaracke das Leben. Für den 13. Februar ruft „Hambastegi“ (auch: IFIR), eine Assoziation iranischer Flüchtlinge, zu Protesten gegen die Kasernierung des überflüssigen Lebens auf. Dem schließen wir uns an.

Flugschrift von den NeocommunistInnen, „Das grosse Thier“ und Cosmoproletarian Solidarity.

Alles weitere hier.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 02 Februar 2012 , 06:51:39

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29 Januar 2012

cosmoproletarian solidarity

Das bilanzierte Leben


Über Leistungsrassismus und Gemeinschaftsneid, über Arbeitsethos und Antisemitismus. Und warum der Hass auf Muslime und Islamkritik sich gegenseitig ausschließen.

Wo „das lebendige Leben oder das zum Material gewordene Leben“ auf Nutzen und Kosten hin bilanziert wird, wo es zugleich ein nationales Privileg ist, als „wandelnde Produktivität“ (1) sich zu etikettieren, ist Islamkritik bereits suspendiert. Und wo die Bewertung der Produktivität eines Menschen keine allein an dem Individuum interessierte, aus reinem Kalkül über die Verwertbarkeit des lebendigen Dings durchdachte, sondern durch die Identifizierung des Individuums als bloßes Exemplar einer Gattung der ‚Gemüse-Türken’ vormanipulierte ist, wo die „Arbeitskraft, die dem Recht auf Verwertung hinterherflieht“ (2), als Agentur der Überfremdung denunziert wird, ist die Ideologie, die als Islamkritik sich tarnt, darüber hinaus rassistisch.

Unter der Totalität des Kapitalverhältnisses, in dem die Menschen mit der Würde der Subjektivität: frei und gleich in der Konkurrenz, zugleich ihre totale Konvertibilität erfahren, das heißt die Drohung als Überschussware zu enden, in dem die Bürde der Subjektivität: der an die Individuen delegierte Zwang zur kapitalproduktiven (Selbst-)Verwertung, als Arbeitsethos geheiligt wird, verteidigt jenes „zum Material gewordene Leben“, das mit einem politischen Souverän als Garanten der Subjektform identifiziert ist, seine Kapitalanwandlung gegen die todesmutigen Menschen, für die kein Staat bürgt und die es wagen, vor Elend, Krieg und Tugendterrorismus nach Europa zu flüchten. Doch allein aus der Angst davor, dass die Massen doch noch zur Konkurrenz befähigt werden, speist sich nicht das obsessive Moment des Verhältnisses zum Islam. Wie Gerhard Scheit darlegt (
Gemeinschaftsneid und Strafbedürfnis. Die zwei Formen des postnazistischen Bewusstseins, in: Bahamas 61/2001), verteidigen die Pseudokritiker des Islams ihre Zivilisation der Produktion gegen eine religiöse Gemeinschaft, die ohne industrielle Produktion, ohne kollektive Selbstaufopferung durch Arbeit sich reproduziere, die indes sich „auf die bloße Voraussetzung aller Produktion“ konzentriere: „die individuelle Reproduktion in der Familie“ und hier vor allem auf die Schickung und Fügung der Frau als emsiger und demütiger Gebärautomat, „als Zwangsarbeiterin dieser Reproduktion“. Der Islam, so wie sie ihn wahrnehmen, verhöhnt ihr Arbeitsethos, das Opfer ihrer Subjektwerdung, und provoziert zugleich einen aggressiven Neid auf die angebliche Nahtlosigkeit einer Vergemeinschaftung durch bloße Unterwerfung unter den falschen Gott Allah. Dass die „Araberfrau“, von der ein deutscher Malthusianer so empört sprach, als schwächstes Teil des islamischen Patriarchats wahrgenommen wird, hebt das Interesse an ihrer Existenz, die als Gebärfunktion des arabischen Mannes nur die Loyalitätsfrage provoziert – und zwar nicht die ihrer Emanzipation. Allein durch ihren Körper, also bloßer Natur, vergrößere sie die Macht des islamischen Patriarchats, wo sie doch die Reserve an Arbeitskräften aufzufüllen habe. Das Gebären eines weiteren Überschüssigen angeblich allein um den Lebensraum für die islamische Familie zu maximieren (3), provoziert eine Zivilisation der Produktion, in der Arbeit, vollends emanzipiert von den Bedürfnissen und Willen der Produzenten, ein Zwangsprinzip und in der die Anhäufung verausgabter Arbeitskraft als Kapital, repräsentiert in der Geldform, purer Selbstzweck ist.

So real der Zwang ist, der Frauen und Mädchen aus muslimischen Familien auf ihre Gebärfunktion verpflichtet, und so brutal die Strafen bei Ungehorsam, ist die Gemeinschaft der Umma, also die aller Muslime, wesentlich Schein. Bildet sich das obsessive Verhältnis zum Islam zunächst an realen Konflikten heran, wie eben die Verpflichtung der Frau auf ihre Gebärfunktion, wird es sodann wahnhaft, wo die Anderen – die muslimischen Täter und Opfer dieser Konflikte – zur Projektionsfläche zugerichtet werden. Die tugendterroristisch garantierte Reproduktionsform wird zur Kriegsführung einer verschworenen Gemeinschaft der Umma weitergesponnen, an der doch nur der eigene Gemeinschaftsneid sich nährt. Nicht die familiär ausgebeutete und verächtlicht gemachte Frau sei das eigentliche Opfer, dem Solidarität gebühre, sondern die Deutschen, denen mittels eines muslimischen Gebärzwanges die Überfremdung drohe. Die „Araberfrau“ wird bei dieser Opferverschiebung zur bloßen Agentur der halluzinierten Bedrohung. Doch die verschworene Gemeinschaft der Muslime existiert nicht; die Muslime sind sich so wenig eins, wie alle anderen Menschen auch. (Die Blutspur des Islams ist vor allem auch eine der Konfessionskriege: jüngst im Irak und Jemen, in Syrien und Bahrain. So ist auch der Begriff des Umma-Sozialismus falsch. Der Nationalsozialismus verstaatlichte die Arbeitskraft seiner Volksgenossen und hob nicht nur mittels pathischer Projektion, sondern durch die Realisierung der Vernichtung der ‚jüdischen Gegenrasse’ und den Kahlfraß der okkupierten Zonen ihre Überschüssigkeit auf; der nationale Sozialismus war so weit realer Schein, wie es den Deutschen gelang, die eigene Krise den anderen Nationen aufzuladen. Ein panislamischer Volksgenosse existiert aber nicht und vor allem kein islamischer Souverän, der die konfessionellen Grenzen aufhebt und fähig ist, die Volksgenossen zu konstituieren und auf Gehorsam zu verpflichten. Was wir dagegen vorfinden, sind verschiedene politische Souveräne, die trotz des gemeinschaftlichen Hasses auf Israel vor allem untereinander konkurrieren und sich befehden: Saudi-Arabien gegen den Iran, dieser in Treue zu dem ba’thistischen Regime gegen die syrischen Muslimbrüder, und so weiter. Die Erdölrente finanziert die Mobilisierung eines Krieges jeder gegen jeden, zumeist über Dritte, nicht den Zakah eines Umma-Sozialismus. Was am Islam sich potenziert, ist also nicht die Gemeinschaft einer realen Umma, sondern der religiöse Wahn in jedem einzelnen Gläubigen, der sich zumeist doch nur im Sektierertum verliert, weil die Islamisierung der Individuen ungleiche Ausmaße annehmt und kein islamischer Souverän fähig ist, die Umma als Vereinigung aller islamistisch Psychotisierten zu konstituieren und die Krisenbewältigung in Eigenregie zu übernehmen. Das einzige politische Projekt, das die muslimischen wie christlichen Konfessionen zu einigen, die Umma als Modernisierungsregime aller Araber zu realisieren vorgab – heimische Juden wurden dagegen als ‚5. Kolonne Israels’ der Gegennation zugeteilt –, war der Panarabismus. Seine letzte Bastion, das ba’thistische Regime in Syrien, kämpft zurzeit um ihr Überleben.)

Der Hass auf Muslime und Antisemitismus

Wo die eigene Kollektivität gestiftet wird, indem man als Deutscher oder Japaner, also als Subjekt eines politischen Souveräns: des Staates, Geld handhabt, um das Kapital zu realisieren, wo das Geld der wahrhafte „Gott unter den Waren“ (4) und das Verbeugen vor diesem die „wahre Qibla“ ist (5), ist die gesellschaftliche Synthese selbst ein böses Rätsel: das Fundament von Ideologie. Die deutsche Ideologie war stets die der Arbeit – mit allen antisemitischen Konsequenzen. Arbeit wurde, wie bei Martin Luther, zur „Knechtschaft aus Überzeugung“ (6), zur Berufung, zum Beruf, zu einem Dienst an Gott und der stumme Zwang zum Verkauf der Ware Arbeitskraft zur Tugend. „Der Gauner“, Parasit der Arbeit, „soll zur sittlichen Arbeit als einer freien persönlichen Tat erzogen werden durch Zwangsarbeit“, so Wilhelm Heinrich Riehl (in: Die deutsche Arbeit, 1861), der die Gesittung des deutschen Volkes eruierte. Die Arbeit als „freie persönliche Tat“, als ein intimes und im Nationalsozialismus erotisiertes Verhältnis, zu dem man bei Widerspenstigkeit gezwungen werden muss. Die Integrationskraft der Arbeit wird auch heute angemahnt und sodann mit Arbeitszwang gedroht. Und so endet auch die Liberalität der arbeitsfetischistischen Pseudokritiker des Islams, die mit ihr
im Namen hausieren, in der Verpflichtung jener Arbeitskraftvehikel, die auf ALG II geparkt sind, zur „gemeinnützige(n) Arbeit“.

Der Gesittungsforscher Riehl schrieb, dass es „ein scharfer Unterschied in der Idee der Arbeitsehre und Arbeitssittlichkeit (ist), der den Semiten vom Arier trennt“. Die „Judenarbeit“ sei der Schacher, so Riehl. Das negative Prinzip zur Arbeit ist also das des Parasitismus, des organisierten Betrugs an der ‚ehrlichen Arbeit’, verkörpert im Juden. Bereits Martin Luther kontrastierte die „deutsche ehrliche Arbeit“ mit dem „jüdischen Schmarotzertum und Wucher“ („…sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß“, während sie „faulenzen…“). Luther dachte zunächst über Zwangsarbeit für Juden nach, verwarf er aber diese und empfahl das Pogrom zum Zwecke der Vertreibung von ‚Wucher-Juden’ und ‚Bettel-Zigeunern’ (7).

Doch die ‚jüdische Nicht-Arbeit’ fungiert nicht nur als Gegenprinzip der ‚deutschen Wertarbeit’, wie es auch – mehr oder weniger – die als unproduktiv verleumdeten ‚Gemüse-Türken’, ‚Rotations-Europäer’ und andere Gauner tun. ‚Das Jüdische’ wird verdächtigt, die Inkarnation der Zirkulationssphäre zu sein, in der es sich den Wert ehrlicher Arbeit parasitär aneigne und somit die Produktion sabotiere. Der Antisemitismus ist somit die wertfetischistische Konkretion des Abstrakten des Kapitalverhältnisses, seine psychotische Personifizierung im Juden. Warum die „vermittelnde Bewegung“, in der die Ware Geld die Äquivalentform zu allen anderen Waren annehmt und so erst zu Geld und alsdann zu dem Gott unter den Waren wird, „in ihrem eigenen Resultat verschwindet“, wie also der Geldfetisch sich produziert, ist bei Marx
nachzulesen (in: Das Kapital Bd.1, Berlin 1974, S. 107). Die wesentliche Regung der Warenhüter ist es, dem Geld nachzujagen oder doch nur hinterherzufliehen, bei dem Verkauf der Ware Arbeitskraft oder anderweitig. Das „nackte Interesse“ dieses kapitalistischen Erhaltungstriebes, die „gefühllose ‚bare Zahlung’“ (8), wird auf ein Objekt verschoben, „dem prospektiven Opfer“ (9): die Juden. Die falsche Projektion des geldfetischistischen Warenhüters macht die Juden sich ähnlich: sie sind es nun, die die Anbetung des Götzen Geld alleinig zu vertreten haben. Doch die antisemitischen Sterotypen verraten nur des Warenhüters eigene Wesen.

Dass die Arbeit einen Sinn hat, wo sie doch nur die unmittelbarste Verwertungsagentur des Kapitals ist, dass sie einen „ethischen und seelischen Wert“ (NS-Ideologe Robert Ley) erhält, wo sie doch ein Zwangsprinzip ist, dass aus ihr ein Ideal entsprießt, eine „Ehre der Arbeit“, und aus dieser Volk und Nation, das alles ist Denkauftrag an jedes einzelne Staatssubjekt Kapital. Und, so weit das Geldrätsel antisemitisch gelüftet wird, wird der Mordauftrag nachgesandt, denn es helfe kein vereinzelndes Pogrom, das die Juden nur noch weiter kosmopolitisch verstreue. Der Antisemit, so weit er sich dazu bekennt, will den Tod der ‚jüdischen Gegenrasse’, auf dass die ewige Akkumulation des Kapitals nie wieder sabotiert, die Ehre der Arbeit nie wieder beschmutzt werde. Denn für die Antisemiten „sind die Juden nicht eine Minorität, sondern die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches…“ (10), ihre Ermordung also ein Sachzwang.

Pathische Projektion ist davon bestimmt, wozu die Projizierenden gezwungen sind, es sich selber weiterhin anzutun. Vom Inhalt der Projektion auf reale Eigenschaften des Objekts, auf das projiziert wird, zu schließen, würde dem Kapitalverhältnis, das die Projektion bestimmt, eine Zurechnungsfähigkeit attestieren, die es nicht hat und so den Inhalt der Projektion bestätigen. Der Antisemitismus produziert aus sich heraus den Schein einer Zurechnungsfähigkeit der als bedrohlich empfundenen Momente des Kapitalverhältnisses; er personifiziert diese im Juden und gibt so der subjektlosen Herrschaftslogik des Geldes eine Adresse. Hierzu ist der Hass auf Muslime nicht fähig. Muslime werden selbst in dem rassistischsten Topos nicht mit der Zirkulationssphäre – dem Abstrakten des Kapitalverhältnisses – identifiziert. Sie, so das Ressentiment, schröpfen mit dem zu kulanten SGB als Komplize den Staat und verhöhnen die deutsche Arbeitsmoral; sie seien Wirtschaftsflüchtlinge, also illegitime Konkurrenten, und zugleich Agenturen der Überfremdung. Was gefordert wird, um diese abzuwehren, ist seit langem europäische Realität und drangsaliert alle Immigranten ohne Ansehen ihrer Religion: Repression, Abschiebung, Militarisierung der Grenzen. Dies alles ist oft tödlich – siehe das Sterben vor Lampedusa –, doch der Wahn von der Überfremdung endet zumeist dort, wo Muslime auf der ihnen angeblich ‚angestammten Erde’ verbleiben. Der autochthone Arbeitskraftbehälter fürchtet die Konkurrenz, weil er tatsächlich an und für sich konvertibel ist und Hunderttausende von Menschen es wagen, gegen die europäischen Grenzen aufzubegehren, um eine kapitalproduktive Funktion einzunehmen, das heißt, um sich selbst zu erhalten. Der muslimische Immigrant fordert ihn doppelt heraus: als Konkurrent und zugleich als Agentur einer Gemeinschaft, deren angeblich nahtlose Reproduktion Neid provoziert.

Der Islam und seine antisemitischen Freunde und Feinde

Dr. Gerhard Frey, Übervater der „Deutschen Volksunion“ und Verleger der „National-Zeitung“, empört sich über die „infernalische Hetze gegen den Islam“ und verdächtigt Israel der Verschwörung gegen eine ehrwürdige Religion „von mehr als eineinhalb Milliarden Menschen“. „Der deutsche Kaiser Wilhelm II.“ dagegen habe dem Islam „ewige Freundschaft versprochen und nichts spricht dagegen, sie zu verwirklichen“, so Frey. Basis sei aber kein multireligiöser Schmelztiegel, sondern das „souveräne Staatswesen“ (NZ, 29.06.2011), also Türkei den Türken und Deutschland den Deutschen. Jenen Rassisten und Antisemiten, die in der Tradition des Nationalsozialismus sich wähnen, sind Muslime wie Christen, die nicht autochthon sind, unterschiedslos Agenturen der Überfremdung. Doch ihre Anstrengung zur „ethnischen Reconquista“, die die Menschen nach „Völker und Kulturen“ segregiert, äußert sich geopolitisch in der Kollaboration mit dem Islam. Nach Jürgen Gansel, Vordenker der „Nationaldemokratischen Partei“,
habe der Islam in Europa „keine Existenzberechtung“, doch „unantastbar ist er dort, wo er historisch beheimatet ist“. Gegen Israel, dem Staat gewordenen „Völkerhaß“, und die Vereinigten Staaten von Amerika, diesem kosmopolitischen Bastard, gelte den Muslimen die „Solidarität von Nationalisten“. Und so verkörpere die Hamas den „palästinensischen Selbstbehauptungswillen“ und so seien die irakischen Suicide Bomber „Heimatverteidiger“. Folglich träumt auch die „Deutsche Stimme“ von einem „arabischen nationalen Sozialismus“ (DS, 02.05.2011), einer Achse der Souveränisten gegen die ‚jüdische Gegenrasse’. Es sind dieselben Kategorien des Antiimperialismus, in denen Rassismus und Antisemitismus von diesem Schlag sich geopolitisch reproduzieren: Autochthonität, Volk, Nation, Souveränität, Staat, Antizionismus.

Der Alptraum nicht weniger deutscher Rassisten ist die Tochter türkischer oder libanesischer Eltern, die ihre Sinnlichkeit nicht unter Leichentücher begräbt und sich Volkstum und Religion verweigert. Andreas Molau, einst bei der „Deutschen Stimme“ tätigt, heute in der „Bürgerbewegung Pro NRW“, äußerte im Gespräch mit dem „Muslim Markt“, er
hielte es „für abstoßender“, wenn bei einer „muslimische(n) Frau“ der Bauchnabel zu sehen ist. Sein einziger Feind sei „ein alle Kultur zerstörender Amerikanismus“. Ein anderer nationaler Sozialist, Stephan Steins, bedauert gegenüber derselben Agentur der Islamischen Republik Iran die „faschistoiden ideologischen Exzesse“ gegen die Familie. Und Jürgen Gansel hält fest, „Koranfestigkeit“ verhindere ein Einschmelzen der Kulturen. Bis zu ihrer Heimführung müsse die islamische Gemeinschaft „möglichst intakt“ bleiben.

Unter anderen deutschen und europäischen Rassisten, die sich nicht in der Tradition des Nationalsozialismus wähnen, wird selbstbewusst ein Bekenntnis zu dem Staat Israel vor sich hergetragen. Der Staat gewordene Selbstschutz der Juden wird von ihnen als solcher nicht reflektiert; die antisemitische Vernichtungstat als kapitalimmanente Krisenexorzierung, die durch die deutsche Volksgemeinschaft vorexerziert wurde, verdrängt und verschoben auf die antisemitische Konkurrenz: den Islam. Israel ist ihnen hierbei weniger ein geopolitischer Wall gegen den Islam. Den Kulturalismus, jedem seine ‚angestammte Erde’, teilen sie, mehr oder weniger, mit einem Gansel. Der Islam fern von Europa ist ihnen unwesentlich; die deutsche Armee wäre an den europäischen Grenzen tätigt, nicht in Afghanistan (…wenn sie nur die politische Macht hätten, dies anzuordnen). Und die brutale Zerschlagung der säkularistischen Revolte im Iran ist ihnen gleichgültig, solange nicht noch mehr Flüchtlinge es wagen, nach Europa aufzubrechen. Der Proisraelismus ist also weniger antiislamische Geopolitik. Mit dem Bekenntnis zu Israel gelingt ihnen ein moralischer Triumph, ohne die Resultate der eigenen kapitalimmanenten Krisenbewältigung: die Ausrottung des europäischen Judentums, zu verneinen. Dieser Proisraelismus ist nicht nur äußerst prekär, er verhöhnt zugleich die Opfer des Nationalsozialismus mit der Lüge von der „jüdisch-christlichen Tradition“, die doch nur eine von Pogrom und Protokoll ist. So auch wieder der deutsche Malthusianer, der den „immense(n) jüdische(n) Aderlaß“ als Verlust an Humankapital bedauert und sogleich heranhängt, dass auch das „klassische leistungsorientierte Bürgertum“, also die deutsche Mordelite, aus Berlin (lebend!) verschwand, wie der namentlich genannte Hermann Josef Abs, der „Aufsichtsrat von Auschwitz“ (Konkret, 12/1991). Die Belobigung ‚jüdischer Intelligenz’ ist zudem eine, wenn auch unbewusste, Drohung, das Ressentiment von der ‚zersetzenden Intelligenz’ der Juden zu mobilisieren, sobald sich erweist, „dass die größtmögliche Akkumulation von Intelligenz unter brutalst möglichem Ausschluss von Nichtproduktiven“ die als Humankapital sich etikettierenden Deutschen vor dem „nicht mehr Gebrauchtwerden nicht schützt“ (11).

Auffallend, dass die krudesten Allianzen, zu denen der Hass auf die Juden und ihre Emanzipationsgewalt Israel die Beteiligten bewegt, zumeist ignoriert werden. Etwa zwischen dem „White Civil Rights“-Veteranen, David Ernest Duke, und der Islamischen Republik Iran. Duke
verdächtigt „die jüdische Suprematie“, die Immigration von Nicht-Europäern zu forcieren: “In summary, massive non-White immigration has been one of the most effective weapons of organized Jewry in its cultural and ethnic war against the European American.” Und weiter: „A very small minority of influential Jews oppose immigration into European-populated nations. And all of them who oppose immigration do so for one reason. Their opposition is not born of the detrimental effects of it on the indigenous people of our nations, but only from considerations of how Muslim immigration affects Jewish goals, political and social power, and policies toward Israel. Most of them are busy manipulating Europeans, such as that Jewish-influenced Norwegian puppet, Breivik, to oppose only Muslim immigration while supporting all the other immigration from the Third World.” Die Muslime sind ihm so viel wert, wie sie seinen Judenhass teilen. Geladen war Duke, der bis 1978 als Grand Wizard des Ku-Klux-Klans amtierte und nun über eine Kandidatur für das US-amerikanische Präsidentenamt nachdenkt, auf der Teheraner „International Conference on Review of the Holocaust: Global Vision“ des iranischen Außenministeriums. Neben ihn reiste auch Friedrich Töben an, der von der Macht des Judeomarxismus („…Talmudic-Marxist death dialectic“) fabuliert und Mahmud Ahmadinejad im Gespräch mit „Fars News“ als Brecher des „Tabus Holocaust“ rühmt. Fromme Christen, wie Eugene Michael Jones, Mark Dankof und Mark Glenn, die von einer atheistischen Zersetzung ehrwürdiger Traditionen als jüdischen Komplott phantasieren, werden im iranischen „Press TV“ zu Kommentaren und Gesprächen geladen. Und so weiter.

Islamkritik als materialistische Kritik

Der Islam ruft nicht bei allen Neid hervor, bei nicht wenigen auch Faszination. Und so werden die rassistischen Demografieapokalyptiker komplettiert durch jene, denen der Islam ein Substitut der Volksgemeinschaft ist. Das eine – der widerliche Rassismus gegenüber Muslimen – oder das andere – die nicht weniger widerliche Komplizenschaft mit dem Islam – zu unterschlagen, ist eine Verleugnung der Diversität deutscher Ideologie, die stets dasselbe ist: die Suspendierung der Gattung Mensch.

„Der Kampf gegen die Religion“, so Marx, ist „mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.“ (in: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie Einl., S. 378) Die Kritik der Religion ist „die Voraussetzung aller Kritik“ (ebd.), die es auf die sich radikalisierende Kritik eines gespenstischen Verhältnisses anlegt, das kein Außen, also keinen Himmel mehr kennt und in der „die Transsubstantiation der nützlichen Dinge in Ware & Geld & Kapital so mühelos gelang wie noch nie einer Religion die Verwandlung des Weins in das Blut Christi“ (12): das Kapitalverhältnis, das nun aus sich selbst nicht mehr den Schein zu produzieren vermag, „das Gröbste, daß keiner mehr hungern soll“ (13), doch noch zu realisieren, in dem viel mehr die Insassen dieses Vergesellschaftungsprinzips zur Bevölkerungsschlacht von Produktivbestien gegen den noch lebenden Überschuss, von Autochthonen gegen Flüchtlinge, viel mehr: zum Kampf einer gegen alle und alle gegen einen, sich rüsten.

Die Religion, so Marx, ist das „Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben“ oder, in der Krise der Subjektform, „wieder verloren hat“ (ebd.). Die Menschen zu enttäuschen, damit sie resignieren, die Krise regressiv auszusöhnen, und beginnen, sich um sich selbst zu bewegen, darüber hinaus zu bestimmen, wie der Islam retardiert, dass der Mensch sich selbst bewusst wird und wie er beschleunigt, sich im falschen Kollektiv zu verlieren, und trotzdem dem muslimischen Objekt gegen die rassistische Identifizierung als ‚unwert’ und ‚überfremdend’ beizustehen, ist Inhalt einer Islamkritik im marxschen Sinne. Was die Islamkritik intendiert, ist schlussendlich der kategorische Imperativ, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (ebd., S. 382). Darüber nun was vom tatsächlichen Charakter des Islams abzüglich des Gespenstes der Überfremdung und der Verschworenheit der Umma übrig bleibt, habe ich hier nichts gesagt. Nachzulesen ist es in den Gefängnisbiografien etwa einer Monireh Baradaran (14) und eines Reza Ghaffari (15), die als kommunistische Genossen und Abtrünnige des Islams – wie leider nur wenige – die Folterhöllen der Islamischen Republik Iran überlebt haben. Zu erfahren ist es von den Flüchtlingen des Tugendterrorismus, die von griechischen Behörden schikaniert und rassistischen Banden gehetzt werden oder die hier die Abschiebung in den Tod zu fürchten haben. Nicht aber von „Politically Incorrect“ und Ähnlichgesinnten, die doch nur die Panik produzieren, die dem vereinzelten Einzelnen die Flucht ins falsche, rassistisch und antisemitisch sich ausagierende Kollektiv nahelegen.

Lektüreempfehlung:
Niklaas Machunsky:
Kapital und Islam, in: Prodomo 15/2011.


(1) Rainer Trampert:
Zuchtmeister Deutschland, in: Jungle World 18/2010.
(2) Joachim Bruhn:
Vom Mensch zum Ding.
(3) Laut Sarrazin (via Buschkowksy), habe eine „Araberfrau“ ein sechstes Kind produziert, allein um so, mit dem SGB II als Komplize, eine größere Bleibe zugesprochen zu bekommen. In: Lettre International, 86/2009.
(4) Karl Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 132.
(5) Georg-Weerth-Gesellschaft:
Das Tal der Türken, oder: Ne mutsuz türkum diyene.
(6) Luther habe „ die Knechtschaft aus Devotion besiegt, weil er die Knechtschaft aus Überzeugung an ihre Stelle gesetzt hat. Er hat den Glauben an die Autorität gebrochen, weil er die Autorität des Glaubens restauriert hat. Er hat die Pfaffen in Laien verwandelt, weil er die Laien in Pfaffen verwandelt hat. Er hat den Menschen von der äußeren Religiosität befreit, weil er die Religiosität zum inneren Menschen gemacht hat. Er hat den Leib von der Kette emanzipiert, weil er das Herz an die Kette gelegt“, so Marx. In: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie Einl., Berlin 1976, S. 386.
(7) S. Schatz/Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit, Zur historischen Aktualität einer folgenschweren antisemitischen Projektion, Hamburg 2001.
(8) Marx/Engels: Das kommunistische Manifest, Hamburg 1999, S. 46.
(9) Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, Kap. Elemente des Antisemitismus, Frankfurt a.M. 1969, S. 196.
(10) Ebd., S. 177.
(11) Justus Wertmüller:
Frei nach Thilo Sarrazin, in: Bahamas, 59/2010.
(12) ISF: Das Konzept Materialismus. Pamphlete und Traktate, Freiburg i.B. 2009, S. 245.
(13) Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt a.M. 1951, S. 206.
(14) Monireh Baradaran: Erwachen aus einem Alptraum, Zürich 1998.
(15) Reza Ghaffari: Weinende Tulpen, Aschaffenburg 2000.

by CP Solidarity (noreply@blogger.com) at 29 Januar 2012 , 03:53:27

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